Die älteste bekannte adlige Familie in Esthland.
Daß die Familie von Lode, deren Nachkommen zuletzt noch auf der Insel Oesel heimisch gewesen, während einige Glieder derselben sich gegenwärtig noch in Staatsdiensten fern von den Ostseeprovinzen aufhalten, zu den ältesten in Esthland angesessenen adligen Familien gehört hat, geht schon aus mehreren von Hiärne uns aufbehaltenen Urkunden hervor. Nachstehende wörtliche Uebersetzung einer von ihr vor etwa 100 Jahren in das Esthl. Ritterschaftsarchiv eingelieferten Urkunde des 16. Jahrhunderts giebt aber ein Zeugniß dafür, daß ein Ahnherr der Familie, der Dänische Ritter Odward von Lode, schon König Canut zu Ende des 12. Jahrhunderts auf seinem Eroberungszuge nach Esthland begleitet, und dafür bedeutende Ländereien daselbst von ihm zu Lehn empfangen habe; und wenn wir daher den Worten des Bischofs Georg von Tiesenhausen trauen dürfen, der die Beweise hiefür als genügend anerkannt, so müssen wir die von Lode als das älteste der urkundlich in Esthland ansäßig gewesenen adligen Geschlechter ansehen.
"Wir Georg, von Gottes Gnaden confirmirter Bischof zu Reval, postulirter und erwählter zu Oesel, thun zu wissen, kund und offenbar in und mit diesem unsern offenen besiegelten Briefe, vor jedem, der ihn sehen oder lesen hören wird, daß wir den Ehrefesten und achtbaren Rath in Wierland, Fromhold Lode zu Kuckers, mit dem Ehrenfesten unseren lieben getreuen Otto Uexküll zu Fickel wegen des Hofs und der Güter Pall in Freundschaft verglichen habenin die Weise, die hiernach folgt. Es hat der achtbare Fromhold Lode, mit Königlich Dänischen Briefen erwiesen, daß König Canutus zu Dännemarck im Jahr Tausend Ein Hundert Sechs und Neunzig seinem Vorfahren Herrn Odward von Lode, Ritter, und seinen Erben, wegen der guten treuen Dienste, die er wider die Heiden in Esthland geleistet, die Höfe und die Güter Woljell, Kyde, Lechts, Pödes, Isen, Kochtel und Pall, wozu zu der Zeit Libbel und Paritell mitgehört hat, verlehnet, und auch König Woldemar im Jahr Tausend Zwey Hundert Zwey und Zwanzig solche seinem Rath und Ritter, Herrn Heinrich Lode, des Odwards Sohne, aufs Neue confirmirt und bestätigt hat; und als die ganze Wieck durch einen Vertrag mit König Woldemar im Jahr Tausend Zwey Hundert Acht und Dreyß an unsern Vorfahren, Bischof auf Leal und Oesel gekommen, sind seine Nachkommen im Besitz des Hofs Pall allezeit geblieben bis auf Herrmann Lode in das eilfte Glied. Hans Lode zu Kuckers, Fromhold sein Vater, hat Libbel an Tülen verkauft, und sein Brudersohn Herrmann Lode hat im Jahr Tausend Fünf Hundert unf Fünf den Hof Pall an Otto Uexküll zu Fickel erblich verkauft, nämlich den Hof Pall mit seinen Haken, das Dorf Vier und Zittakot neun Haken, Virgate vier Haken, Kersemech vier Haken, Kobbertas, Keso, Huck, Reomecki, Wilckota, Oresell, Pust, Genis, Aigomull und Ludes, zusammen betragend zwölf und einen halben Haken Landes mit allen den Einfüßlingen*), die dort zu derselben Wacke gehören, belegen in der Wieck im Kirchspiel zu Goldenbeck. Weil nun der achtbare Fromhold Lode bewiesen hat, daß seine Vorväter von Tausend Einhundert Sechs und Neunzig ab den Hof Pall besessen haben, so hat Otto Uexküll bei Ehren und Treuen zugesagt, daß wenn er den Hof Pall wieder verkaufte, so sollen Fromhold Lode zu Kuckers und seine Erben die Nächsten dazu sein, wenn, sie geben was ein anderer dafür bieten wird. Deß zur urkunde der Wahrheit haben wir Georg, vorgemeldeter Bischof, unser Siegel unten an diesen Brief hängen lassen, der gegeben und geschrieben ist zu Hapsal, des Dienstages nach unsers Herrn Christi Himmelfahrtstage im Funfzehn Hundert Acht und Zwanzigsten Jahre.
(Siegel des Bischofs)
* * *
Das Inland. Eine Wochenschrift für Liv-, Esth- und Curlands Geschichte, Geographie, Statistik und Litteratur. 11. August 1837, No 32, Sp. 543–545.